1992 erschien im MEDUSA-VERLAG München in einer Kleinstauflage (ich glaube, es waren nur 30 Exemplare) ein bibliophiler Leckerbissen (Gestaltung "TIPOGRAFIA CORONOMARO MONACO"). Mir fehlen die Fachkenntnisse und die Terminologie, um dieses Wunderwerk beschreiben zu können. Ideengeber war Anton Wallner, bibliophiler Realisator Benedikt Kronenbitter. Zu den Textlieferanten gehörte auch ich als dritter im Bunde. Es handelte sich um das Sprechstück BLICK ÜBER DEN VENUSHÜGEL, das am 13. Februar 1992 im Münchner "LOFT" uraufgeführt wurde: "Eine verbalmusikalische Orgie für 3 Darsteller, 4 Stimmen, 1 Lautenisten, 2 Diaprojektoren und diverse Bühnenversatzstücke von und mit Manfred Ach, Benedikt Kronenbitter, Anton Wallner u.a." (siehe auch ARCHIVARISCHES). Die wenigen gebundenen Exemplare sind vergriffen. Als "fast archivarisch" ist auch das folgende dramatische "Konvolut" zu verstehen, denn es ist nur noch als Kopie im Schnellhefter erhältlich. Die wenigen gebundenen Exemplare sind vergriffen.

Manfred Ach
Führen Sie sich nicht so auf!

ISBN 3-927890-53-7, Stücke I Edition Ludwig im Tale, 1. Auflage München 1999, 94 S., A-4-Format, EUR 18.-

Darin enthalten sind:

APOKALYPSE 23. Poetisches Spektakel für fünf Stimmen und einen harmonischen Grobschmied

Bruchstücke aus den 22 Kapiteln der Offenbarung des Johannes, die poetische Würdigung eines Selbstmörders, der Abschiedsbrief eines Menschen, der nicht mehr leben wollte, Splitter einer privaten Heilsgeschichte und die Rollenspiel-Imaginationen eines Zauberlehrlings sind die Bestandteile eines seriell angeordneten Textes, die ein harmonischer Grobschmied, hin und wieder launisch eingreifend, lärmend zerschneidet oder verschweißt. Pathos und Häme, Selbstentblößung und Verkleidung, Untergeher und Überwinder geben sich ein Stelldichein auf engem Raum. Für Auge und Ohr, A und O.

TONSPUR TRAKL. Ein Hörbild

(zum 80. Todestag, 3.11.1994) TONSPUR TRAKL enthält Gedichtanfänge Trakls (Am Abend.../O...), seine biographischen Stationen (berufliche und lokale), chronologisch geordnete Auszüge aus Briefen sowie die den verschiedenen Handschriften folgenden Textvarianten des Gedichts "Musik im Mirabell". TONSPUR TRAKL will weder ein vollständiges Lebensbild liefern noch Vollendetes aus dem dichterischen Werk zitieren, sondern in methodischer Kürze und atmosphärischer Dichte zeigen, wie und wohin die Linien des Lebens und Schreibens Trakls verliefen. TONSPUR TRAKL ist gedacht als Ergänzung zu den bei Jahresfeiern üblichen Würdigungen in Form von stets wiederholten Daten, Informationen und Zitaten. TONSPUR TRAKL wäre zu realisieren mit mehreren Sprechern und Sprecherinnen. Reizvoll wäre sicher auch eine Unterlegung mit Musik oder wären musikalische Intermezzi, wobei einerseits der typische Ton von Pavillonkonzerten im Mirabellgarten als "Zitat" denkbar wäre, andererseits aber auch zeitgenössische (z.B. eine früh-expressionistische) Musik bzw. eine von heute.

BADEWANNE. Ein Hörspiel

Ausgehend von der psychologischen Einsicht "Nirgendwo sind wir uns näher", mischt dieses Kurzhörspiel historische und ethnologisch-ethnographische Materialien zur Badekultur mit Straßen-Interviews ("Woran denken Sie, wenn Sie das Wort Badewanne hören?") und der spezifischen Sprache von Werbe-Spots für den Konsumartikel "Badewanne". Eine Mitarbeiterin des Rundfunks soll ein Feature über die Badewanne schreiben. Sie bleibt während der Haupthandlung immer allein in ihrer Wohnung, die Wirklichkeit der Außenwelt kommt nur über Tonmaschinen zu ihr, und auch sie selbst teilt sich nur über Tonmaschinen mit (Telefon, Anrufbeantworter, Fax, Diktaphon, O-Ton-Recorder etc.). Sie ist Mittelpunkt dieser "Hör"-Elemente, die am Ende ihren Höhepunkt in einer Collage aus allen Ebenen (inhaltlichen wie technischen) finden.

DREHTÜR. Performance bzw. Tonspur zu einem Film über die Glasarbeiten von Jennifer Antonio

(Brief vom 2.1.94 anstatt einer Vorbemerkung) Liebe Jennifer, mein Drehtür-Text ist fertig (und natürlich ganz anders geworden, als ich dachte: ein volles Notizheft wurde auf wenige Seiten kondensiert). Ausgangspunkt waren ja Deine Figuren in den Kugelvasen, deren Glas uns von ihnen trennt und die doch so lebendig sind. Der Kopfwurm/Drehwurm hatte also mit Begriffen zu tun wie "Drinnen" und "Draußen", "Kugel" und "Kreis", "Glas" und "Tür", "Durchgang" und "Trennwand" und nicht zuletzt mit der Drehbewegung, dem Stürzen der Figuren und ihren tastenden/pressenden Händen, mit dem Taumel der Perspektive. Für alle diese Zusammenhänge ergab sich als Knotenpunkt und Wirbel die Metapher "Drehtür", die als Durchgangsstation auch die Grenze zwischen zwei Welten markiert (so wie Mallarmés "Igitur" die Grenze zwischen dem Nichts und dem Absoluten). Das "Du" auf dem ersten Blatt bezieht sich nicht ausschließlich auf Dich, sondern meint alle, die die üblichen Begriffskäfige verlassen haben oder zumindest manchmal dazu imstande sind. Da Du ja auch mit Mythologie arbeitest, habe ich im Teil 1 Material aus Ethnologie und Brauchtum zum Motiv der Tür und des Transits verarbeitet. Am Ende klingt das Kreismotiv als Bannformel an, das im 2. Teil zum Glasgefäß führt, in dem die Zeit festgehalten ist wie der Geist in der Flasche. Im Drehmoment (3. Teil) werden die doors of perception zum Durchgang in die altered states of consciousness, wo die assoziativen Sicherungen durchknallen und der (in Geheimgesellschaften durch sogenannte Kugelung) Erwählte das alte System verläßt bzw. verändert zurückkommt. So wird der Vortex zum "Punkt maximaler Schwungkraft" (Pound), wie auf dem ersten Blatt angedeutet. Und der Vortizismus ist, beileibe!, nicht nur ein künstlerisches Credo. It`s up to you. Liebe Grüße, Manfred

INIGO, JUAN UND RAMON. Ein Bühnenstück

Das Stück hat mit drei Spaniern zu tun, die derzeit mit Jubiläen gesegnet sind: Ignatius von Loyola (Inigo), Juan de la Cruz (Juan) und Ramon Llull (Ramon). Das Stück will sie auf andere Weise würdigen als dies auf Festakademien üblich ist. Es handelt sich um den Versuch einer Nutzbarmachung, die Eingeweihte befremden und Fremde neugierig machen soll. Das Stück hat also keineswegs nur mit diesen drei Spaniern zu tun und ist trotz des großen authentischen Textbestands keinesfalls dokumentarisch zu verstehen. Das Bühnenstück hat fünf Akte. Der erste Akt besteht aus einem Selbstverhör im Sinne einer gruppentherapeutischen Sitzung. Er wird durch eine musikalische Einlage, die eventuell von Bildprojektionen (historisch-biographische Motive, durchsetzt mit zeitgenössisch-verfremdendem Bildmaterial) begleitet wird, abgeschlossen. Die von den Protagonisten gesprochenen Texte sind authentisch. Der zweite Akt besteht aus dem authentischen Text "Die zwölfte Regel der Unterscheidung der Geister" von Ignatius von Loyola (aus seinen "Exerzitien") sowie szenischen Assoziationen hierzu. Die anschließende Talkshow zitiert (in freier Form) seriöse Meinungen zu den "Exerzitien" und Stellungnahmen, die dem Autor zur Hörspielfassung dieser Szene zugingen. Der dritte Akt enthält fast durchweg authentische Texte von Juan de la Cruz. Die Kernmotive seiner Theologie (die "Nacht" und die "Leiter"), die er als Seelenführer von Nonnen ausführlich dargelegt hat, werden in zwei Szenen vorgeführt. Der vierte Akt ist Ramon Llull gewidmet. Die erste Szene enthält viele authentische Texte und zitiert am Schluss eine historische Begebenheit: Die Verehrte zeigt dem Troubadour Ramon ihre krebszerfressene Brust. Die zweite Szene karikiert ein Meditationscamp von heute. Der fünfte Akt zeigt die drei Protagonisten als "Erlöste". Die Texte sind weitgehend authentisch. Ein "Ballspiel" beendet das Stück.

 

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